BG RIED mit sattem Überschuss

Aber auch sonst kann das wohnungswirtschaftliche Unternehmen aus dem Kreis Groß-Gerau bei der
Vertreterversammlung mit diversen überzeugenden Zahlen punkten.

KREIS GROSS-GERAU. Die Baugenossenschaft Ried hat im Geschäftsjahr 2025 sehr ordentlich gewirtschaftet. Denn bei der Vertreterversammlung am Donnerstag im Volkshaus Büttelborn konnten Vorstand und Aufsichtsrat für diese zwölf Monate erfreuliche Zuwächse gegenüber dem Vorjahr vermelden: Die Bilanzsumme stieg von 207,38 auf rund 217,77 Millionen Euro an, der Überschuss von 3,61 auf 4,41 Millionen Euro.

Kritik an Reduzierung der Dividende

Während diese Zahlen mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen wurden, stieß die Reduzierung der auszuschüttenden Dividende von zwei auf ein Prozent bei einigen Anwesenden auf Unverständnis. Der Aufsichtsratsvorsitzende Kai Kienzl begründete dies damit, „dass wir in einem anspruchsvollen Umfeld mit wachsenden regulatorischen Herausforderungen aktiv sind“ und deshalb mehr Geld gemäß des Satzungszwecks
investiert werden solle. Und weil auch die überwiegende Mehrheit der Vertreter die Ansicht eines der Ihren teilte, wonach es nicht relevant
sei, ob die Dividende bei einem oder zwei Prozent liege („Wichtig ist, dass neue Wohnungen gebaut werden“), blieb es bei dieser Reduzierung.
Folglich werden zehn Prozent des Überschusses (441.000 Euro) der gesetzlichen Rücklage zugeführt und vom verbleibenden Bilanzgewinn (3,97
Millionen) rund 246.600 Euro an Zinsen und Dividende an die insgesamt 3.314 Mitglieder der Genossenschaft (46 mehr als 2024) ausgeschüttet. Der
restliche Gewinn fließt in die Bauerneuerungsrücklage. Und dies nicht ohne Grund. „Wegen höherer Zinsen und weil die Baupreise durch die Decke gehen, ist die NeubauTätigkeit auch bei uns rückläufig“, erklärte Christian Müller. Laut dem Technischen Vorstand werde die BG Ried bei
Neubau-Projekten künftig verstärkt auf geförderten Wohnungsbau setzen und zudem in die Instandhaltung „unseres heterogenen, zum Teil älteren
Bestands“ investieren. Dieser Strategiewechsel lässt sich auch an Zahlen ablesen: Flossen 2024 noch 16,7 Millionen Euro in Neubau-Projekte und
4,3 Millionen in Sanierungen, wurden voriges Jahr 4,2 Millionen in Modernisierungen gesteckt – aber nur noch 7,2 Millionen Euro in den Neubau.

Kostensenkung und Zeitersparnis durch modulare Bauweise

Dazu zählt das 2025 fertiggestellte und 40 Wohneinheiten umfassende Projekt „Wohnen im Rosenhof“ in Goddelau. In der dortigen Goethestraße fand
jüngst der Spatenstich für einen 4,5-Millionen-Neubau statt, der 20 Wohneinheiten umfassen wird. „Dabei setzen wir zum Teil auf eine modulare Bauweise, wodurch nicht nur die Kosten niedriger, sondern auch die Bauzeiten unschlagbar kurz sind“, kündigte Müller an, dass die Fertigstellung
schon für Mai 2027 vorgesehen sei. Im zweiten Quartal des nächsten Jahres soll am Mühlweg in Dornheim der Bau von 21 Wohneinheiten (WE) beginnen (Kostenpunkt 4,8 Millionen Euro), ferner gibt’s Planungen für 23 WE an der Gernsheimer Werrastraße (6,8 Millionen), 68 WE am Tannenberg
in Riedstadt (19,1 Millionen) und für die Köllschen Gärten in Stockstadt, wo für 70 Millionen Euro 200 Wohneinheiten geschaffen werden sollen.

Als Beispiel für die Aufwertung einer Bestandsimmobilie führte der Vorstand einen Gebäuderiegel in der Bischofsheimer Ulmenstraße an, der gedämmt sowie mit einer Photovoltaik-Anlage und einer Wärmepumpe ausgestattet wurde. „Dadurch wird der Energieverbrauch sinken und somit werden auch die Nebenkosten reduziert“, sagte der Technische Vorstand. Ziel müsse es seinen Worten zufolge generell sein, Bestandsgebäude durch energetische Sanierungen „für viele Jahre in einen zeitgemäßen Zustand zu bringen“. Dabei befinde sich die BG Ried auf einem sehr guten Weg, da nur
noch etwas mehr als ein Zehntel ihrer gesamten Wohnflächen den kritischen Energieklassen F, G und H angehörten.

Digitaler Heizungskeller

Zum Werterhalt der Immobilien gehört laut Müller auch, „dass wir uns bei der Ermittlung ihres Zustands nicht mehr nur auf das Kopfwissen unserer
Mitarbeiter verlassen, sondern eine Software mit allen relevanten Daten füttern. Basierend auf diesen Fakten können wir dann genau festlegen, wo
Investitionen am nötigsten sind.“ Dieser Ansatz wird auch beim Projekt „Digitaler Heizungskeller“ verfolgt. „Hier wird der Zustand aller Anlagen ermittelt und analysiert, sodass unlogische Zustände ebenso wie drohende Ausfälle frühzeitig erkannt und einige Probleme per Fernwartung behoben werden können“, erläuterte Müller.

Mit eindrucksvollen Zahlen konnte im Übrigen auch Jan Fischer aufwarten. Laut dem Finanzvorstand der Baugenossenschaft „haben wir seit 2021
rund 23.000 Quadratmeter zusätzlichen Wohnraum geschaffen und verfügen aktuell über mehr als 185.000 Quadratmeter Wohnfläche“. Gleichzeitig
habe sich das Anlagevermögen in dieser Zeitspanne von 159 auf 200 Millionen Euro erhöht – aber auch die Verbindlichkeiten seien von 109,8 auf 137,9 Millionen Euro gestiegen. Weil in diesen vier Jahren aber auch das Eigenkapital des Unternehmens, das 2025 rund 1,37 Millionen Euro Zinsen berappen musste und dessen Tilgungsleistung im vorigen Jahr bei 5,95 Millionen Euro lag, von 53,8 auf 70 Millionen Euro angewachsen ist, konstatierte Fischer: „Die Lage der BG Ried ist extrem stabil, und wir sind für die Herausforderungen der Zukunft personell, strukturell und finanziell sehr gut aufgestellt.“

Bericht aus dem Groß-Gerauer Echo von Harald Sapper